SCHATTEN (n. m.)

OMBRE (fra.) · SCHADUW (nld.) · SHADOW (eng.) · SLAGSCHADUW (nld.)
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OMBRE (fra.) · SCHADUW (nld.)
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UMBRA (lat.)

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Quotation

{In Gesellung der Farben/ ist die Härtigkeit und Unordnung zu vermeiden}; Der Mahler mus gleich anfangs in seinen Verstand die Austheilung der Farben beobachten/ damit er nicht plötzlich von einem extremo in das andere falle/ nämlich die höchste und niedrigste/ oder die liechteste und finsterste Farbe just neben einander setze: dann dieses würde eine unartige und widerwärtige Härtigkeit auswirken. Dergleichen beschihet aber nicht/ durch den dunklen Schatten jedlicher Figur/ so gleich auf die andere zuruck schläget: dessen Dunkle vielmehr andere Farben nur annemlicher belebet und herfür bringet. Es mus aber dieser Schatten mit seinem Corpo vereiniget seyn: […] Dann gleichwie/ ein einiger falscher tonus, eine ganze herrliche Harmoniam verstellet und unlieblich macht: also kan auch eine einige nicht recht ausgebildete Gliedmaße/ oder zuharte Farbe/ ein völliges Gemähl zernichten und verwerfflich machen. {Hingegen gute Maß und das Mittel zu halten.} Das gar zuhohe Weiß- oder Feuer-rohte/ beleidiget das Gesicht; und das allzubleiche oder dunkle/ macht die Kunst-Stucke veraltet und verlegen. Will also das Mittel/ mit Verstand und gutem Urtheil/ getroffen seyn/ in welchem Stuck noch viel Künstler jetziger Zeit zu thun finden.

Conceptual field(s)

CONCEPTION DE LA PEINTURE → lumière
CONCEPTION DE LA PEINTURE → couleur

Quotation

{Von Verkürzung der Bilder/ was sie sey?}Unsere Vorfahren/ haben allezeit ein wachendes Aug gehabt/ auf die Verkürzung der Figuren: dadurch sie/ dem Gesicht nach/ einen mehrern Schein/ als sie an sich selbst haben/ in die Länge und Höhe bekommen; welches die Dicke der Umriß-Schatten und Liechtes also scheinen machet. In dieser Kunst/ zumal in einfachen Bildern/ hat über andere alle excelliret/ oft-gedachter Michaël Angelo der dann hierzu/ den Nachfolgern zur Lehre/ aus Erde/ Läm/ Gyps oder Wachs/ solche Modellen gemacht/ welche viel standhafter sind/ als die bewegliche lebhafte Bilder. Wann man nun ein verlangtes Model also zu werk gebracht/ setzet man dasselbige/ in gebührlicher Höhe und Distanz, über den Horizont: wornach dann/ desto sicherer/ die Bilder gemacht werden. Die Unwissenheit dieses Handgriffs/ verursachet viel Müh und Arbeit: welche ihrer viele nicht gern auf sich nehmen/ die etwan auch nicht soviel Verstands haben/ dieses Meisterstuck auszusinnen. Es haben aber die Liebhabere dieser Kunst immer mehrers sich beflissen/ mit aufhebung aller Difficulteten/ den bästen Weg zu finden/ wie die Proportion verkürzbar zu machen/ und der rechte Schatten zu erhalten sey/ damit der verlangte effect erfolge. Sie haben auch nicht nachgelassen/ bis man zu unsern Zeiten dessen meisterliche Wissenschaft überkommen.
Es sind deren viele/ welche die Arbeit der Verkürzung verachten und gering schätzen: es sind aber nur die jenige/ so dessen geringe Wissenschaft haben/ und denen die Nuß gar zuhart aufzubeissen fället. Solches ist daraus abzunehmen/ daß sie/ wann man ihnen dergleichen künstliche Stucke vorhält/ und doch gerühmet. Wie dann von dieser Gattung etliche schwere Stucke zu unsern Zeiten verfärtigt worden/ so das Menschliche Gesicht und Augen mächtig geblendet. Es wird aber diese Arbeit/ von unsern Kunstmeistern/
al di sotto in su, das ist/ von der Erden in die Höhe anzusehen/ genennet/ und/ wie gedacht/ von Modellen/ Bildnisen oder lebhaften Personen abgesehen/ die sie erhöhen/ alsdann die Spielung des Schattens in acht nehmen/ und sich bemühen/ solche in ihr Bild zu bringen. Wann nun das Menschliche Auge gegen einem solchen Bild/ so gemeinlich auf etwas empor stehet/ sich wendet/ da zeigen sich ihme erstlich die Fussolen/ Kniehe oder Schenkel/ und dann erst die übrigen Theile des Leibes: daher die Kunst billig diesen Namen bekommen.

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L’HISTOIRE ET LA FIGURE → figure et corps
EFFET PICTURAL → qualité de la lumière

Quotation

{Unachtsamkeit der Alten/ in erwehlung kleiner Mahl-Stüblein: wodurch sie ihnen selbst/ die Weitturft und das nötige Liecht/ entzogen.}
Es haben viel unserer Vorfahren/ auch meist die allerberühmteste Teutsche Kunst-Mahlere/ gefehlet/ indem sie/ all zu kleiner auch überall mit Liecht und Sonnenschein erfüllter Mahl Stüblein/ zu ihrer Arbeit sich bedienet: wordurch ihnen/ der Platz und die nötige Distanz, um von ihrem Modell oder Tafel weit genug ab und zuruck zu treten/ auch ihre Arbeit von weitem zu besichtigen und darüber zu urtheilen/ so wol auch des gerechten hohen einfälligen Liechts Stärke zum rundiren/ folgbar die natürliche Kräften aller Farben/ verkürzt und benommen worden: Und wurden sie/ wann sie in einem anständigen Mahlzimmer gewesen wären/ ihren trefflichen Werken viel mehr Leben/ Kraft und Warheit gegeben haben. {Des Mahlzimmers rechte Breite und Länge}/ So ist dann vonnöten/ daß ein schickliches Zimmer/ absonderlich zum Bild-Mahlen in Lebens-Größe/ auch zum Historien-Mahlen/ und dergleichen/ erwehlet werde. Dasselbe mus nun wol hoch und groß seyn/ und in der Länge zum wenigsten 30 Schuh/ und in der Breite fast eben soviel haben/ auch das Liecht/ welches recht mitten und zu oberst des Zimmers anfangen mus/ 5 oder 6 Schuh in der Vierung haben/ wiewol die Rundung besser anstünde. {auch groß und kleines Liecht} Gleich unterhalb dieses Liechts/ soll noch eines jenem gleichförmig seyn/ welches bedeckt kan werden: damit/ wann Historien zu praesentiren sind/ so in frey-offenem Feld im Sonnenschein bey vielem Liecht geschehen/ man zu dem obern auch etwas vom untern eröffnen könne. Dieses Liecht/ soll von Nord oder Septentrion, weil von dannen der Sonnen-Glanz am wenigsten bescheinet/ genommen werden. Ein gerechtes Zimmer zu unserer Kunst ist/ wann darinn alles/ was von Modellen hinein kommt/ auch die Gemälde selbst/ ein vollkommen-schönes Liecht haben/ und jedem Ding den Wolstand/ Schatten und Widerschein geben kan.

Anciens (les)

Conceptual field(s)

CONCEPTION DE LA PEINTURE → lumière
EFFET PICTURAL → qualité de la lumière

Quotation

Der dritte Discours von der Mahlerey. Das II. Capitel, p. 65-66 
[Worauf in allen Gemählden insgemein zu sehen ist/ um davon
judicieren zu können]
3. Muß Licht und Schatten untersuchet werden. Das Licht nehmen die Mahler in ihren
Originalien, welche von einem Ort zu dem andern gebracht werden können/ allezeit/ als wenn es von der lincken gegen die rechte Hand hinein fiele. In Gemählden an den Wänden richten sie sich so viel möglich nach den Fenstern des Gemaches. In der freyen Lufft nach dem Lauff der Sonnen selbst.
Der Schatten ist zweyerley : Der rundirende und der geworffene Schatten. Jener ist/ welcher an einem Bild auf derjenigen Seite nothwendig sich zeiget/ die von dem Bild auf dem Boden oder auf die dahinterstehende Dinge geworffen wird/ und ungefehr des Bildes-Gestalt hat. Endlich ist auch dabey zu sehen auf das
reflectirte Licht/ welches gantz schwach ist/ und auf alle Dinge/ da der gröste Schatten ist/ fället/ wenn nemlich die Strahlen der Sonnen von einem dahinterstehenden Cörper zurücke prallen. 

Conceptual field(s)

CONCEPTION DE LA PEINTURE → lumière
EFFET PICTURAL → qualité de la lumière

Quotation

Der dritte Discours von der Mahlerey. Das II. Capitel, p. 65-66 
Daß man hievon leichtlich judiciren lerne/ ist nichts bessers als fleißig in der Natur selbst darauf zu sehen/ wie die Schatten von der Sonnen fallen. Insgemein aber gilt diese Regul/ daß wer von Gemählden will judiciren lernen/ sich gewöhnen muß/ alles was er ansiehet/ fleißig und eigentlich durch und durch zu betrachten/und sich also die Natur in das Gedächtniß zu drücken.

Conceptual field(s)

EFFET PICTURAL → qualité de la lumière
SPECTATEUR → jugement

Quotation

Der dritte Discours von der Mahlerey. Das IV. Capitel. Was bey Landschafften und bey Contrefaits besonders zu beobachten, p. 69 
Bey den Landschafften ist darauf zu sehen. I. Daß die Lufft und die Colorirung der Landschafft : Item die Tages-zeit und der Schatten wohl mit einander überein kommen. Also wann einer in einem Gemählde/ so den Morgen oder Abend vorstellet/ kurtze Schatten machete/ wäre es ein Fehler/ und wann die Farben bey einer heissen heitern Sonnen-Luft aufs annehmlichste getrieben werden/ ist es auch nicht zu loben.

Conceptual field(s)

GENRES PICTURAUX → paysage
EFFET PICTURAL → qualité des couleurs
EFFET PICTURAL → qualité de la lumière

Quotation

Wann nun der Entwurff auf das fleißigste, lind, und correct verfertiget ist, alsdann sucht man den Umriß, welcher ebenfalls lind nachgemacht wird: Der alsdann an seinen gehörigen Orten hier und da, mit Drucken an statt des Schattens verfertiget wird.

Conceptual field(s)

CONCEPTION DE LA PEINTURE → dessin
EFFET PICTURAL → qualité de la lumière

Quotation

Wann eine Zeichnung nach seinen Reguln entworffen, und zierlich umrissen ist, insbesonderheit an denen Theilen, welche am besten wollen unterschieden seyn […] : So ist das erste, daß man den Schatten nicht gleich Anfangs in der Stärcke mache, als man ihn vor sich hat, sondern nach und nach so weit gehe, biß man darzu gelanget. Denn es sind dreyerlei Grade dabei zu observieren. Der erte ist einfach und ganz gelinde ; der andere, etwas stärker ; der dritte am stärksten. Bey dem ersten hat man darauf zu sehen, daß man den Schatten an den Orten wo er anfänget, und wieder aufhöret, so gelind und unvermerckt andeute, daß es einem fast schwer fallen möcht desselben Anfang und Ende zu determinieren ; von welcher Manier man zu reden pfleget, Der Schatten verliehret sich. […] Von dem andern Grad des Schattens ist dieses zu mercken, daß man ihn nicht über den ersten hinausziehe, weil es sonst vergeblich wäre, bey dem ersten viele Sorgfalt auf das künstliche Verlieren gewandt zu haben. Bey den dritten endlich hat man eben dieses in acht zu nehmen, was bey den andern, nur daß man ihm eine solche Stärcke gebe, wodurch der ganze Schatten seine recht Krafft erreiche. 

Conceptual field(s)

CONCEPTION DE LA PEINTURE → dessin
CONCEPTION DE LA PEINTURE → lumière