MALER (n. m.)

FRUYT-SCHILDER (nld.) · NAAKTSCHILDER (nld.) · PAINTER (eng.) · PEINTRE (fra.) · SCHILDER (nld.) · TAFEREELSCHRYVER (nld.)
TERM USED AS TRANSLATIONS IN QUOTATION
LANDSCHAPSCHILDER (nld.) · PEINTRE (fra.) · SCHILDER (nld.)
TERM USED IN EARLY TRANSLATIONS
/ · PICTOR (lat.)
HECK, Michèle-Caroline, « PEINTRE », dans HECK, Michèle-Caroline (éd.), LexArt. Les mots de la peinture (France, Allemagne, Angleterre, Pays-Bas, 1600-1750) [édition anglaise, 2018], Montpellier, Presses Universitaires de la Méditerranée, 2018, p. 374-381.
Deutsche (die)
Hoch-Deutschen (die)
Italiens (les)
Nieder-Deutschen (die)
Niederländische (die)

FILTERS

LINKED QUOTATIONS

3 sources
14 quotations

Quotation

Dergleichen Unterschiedlichkeit [ndr: im gerecht-mahlen] ware auch und ist noch bey den Italiänern/ Hoch-und Nieder-Teutschen zu finden/ und zwar mit größerer Vollkommenheit/ sonderlich im gerecht-mahlen/ und darzu gehörenden Kräften der Farben: welches aus der natürlichen applicirung/ vollkommenen Erhebung und sonderbaren Geschwindigkeit der Mahler von unsern Zeiten abzunehmen. {Die alte und neue Italiäner.} Solche waren/ Cimabue der große Wieder-Erfinder dieser Kunst/ Gaddo sein Nachfolger/ und Giotto. Also waren fürtreflich/ Giovan Bellini, in Sauberkeit; Michaël Angelo in Bildern und hohem Verstand; Leonardo da Vinci, in vernünftigen affecten; Andrea del Sarto, in Angenemheit; Raphaël d'Urbino in meisterlicher invention ; Julius Romanus, in ungemeinen Gedanken;Titian, in Anmutigkeit/ sonderlich der Coloriten; Corregio , in gratiositeten; Verones in reichen Gedanken; Tintoreti, in Seltsamkeit; Carazo, in fresco; Caravaggio und Manfredo , in Lebhaftigkeit ; Guido Bolognse in Holdseligkeit; Albano in zierlicher invention; Bernini Bernini in der Bild- und Bau Kunst; Francisco du Quesnoy, in scultur-Warheit; Algardon,in Geschicklichkeit; Peter Corton in fresco; La Franch in Geschwindigkeit; Domenicho in Tieffsinnigkeit; Claudio Gilli in Landschaften.
{Die alte Hoch-Teutschen} Nächst diesen/ machten sich auch verwunderbar unsere Teutschen: als Martin Schön/ im hochsteigen; Matthias von Aschaffenburg/ in zierlichem Geist; Albrecht Dürer/ im universal-Verstand; Hans Holbein/ in glückseliger Hand; Amberger/ in der Warheit; Pocksberger/ im Geistreichtum; Schwarz/ in Erfahrenheit; Adam Elzheimer/ in verwunderlichem Verstand.
{und Nieder-Teutschen} Gleichfalls waren fürberühmt die Niederländer/ in Erfindung der Oelfarben/ Johann und Hubert von Eyk; Lucas von Leyden/ im Fleiß; der alte Bruegel, im Verstand; also auch Sotte Clef und Johann von Calcar/ in der Hand; Floris, in der Meisterschaft; Brauer/ in bildung der Bauren; Fochiers, in Landschaft-Bäumen; Rubens in Geistreichheit; der von Dick/ in Zierlichkeit; Hundhorst in Wolgemälden; Rembrand/ in Arbeitsamkeit; Perselles in Schiffahrten und Wassern; Pulenburg/ in kleinen Bildlein; Bambotio, in Bildung der Bettler ; Botte, in Landschaften; auch der Gerhart Daro und, Mires hoch-preiswürdig in kleinen Oelfarben.
{Von des Autoris [ndr: Joachim von Sandrart ] Werken/ in dieser Kunst.} […]

Hoch-Deutschen (die)
Italiens (les)
Nieder-Deutschen (die)

Conceptual field(s)

L’ARTISTE → qualités

Quotation

{Was Fresco-mahlen sey ?} Es ist aber das Fresco-mahlen/ wann man eine Mauren mit Mörtel bewerffen läßt/ und also auf den naßen frischen Kalch mahlet; und mus der Mahler/ so viel er bewerffen lassen/ alsofort übermahlen: dann sonst vertrucknet der Anwurff/ samt der darauf angefangenen Arbeit/ also hart/ daß solche hernach mit den darneben zu stehen kommenden Anwurf sich nicht mehr vereinbaren noch denselben annehmen kan/ sondern sie scheiden sich spöttlich von einander/ zerspringen endlich und fallen ab. Will also/ dieses Mauer-mahlen/ hurtig in dem naßen Kalch nach einander verfärtiget seyn.
{Was für Farben hierzu gehören ?} Es müßen aber hierzu lauter Erd-Farben/ und keine Mineralien/ genommen werden/ sondern das weisse von gekochten Trevertin-Stein oder gebranntem Kalch/ gelb Ocker/ braun Roht/ terra verda, ultra-marino oder blau-Azur, Smalta, braun Ocker/ ombra, schwarz Kienruß/ und dergleichen Farben von starkem Wesen/ die der Kalch nicht aufzehren kan: wie man hingegen erfähret/ daß der Lack/ Schitt-gelb/ und alle andere von Säften gemachte Farben/ hierbey gleich anfangs verschwinden; der Zinober aber und Mennig/ samt allem Bley-gelb und dergleichen/ sich in schwarz verwandeln. 
Diese Mahlerey erfordert eine geschwinde Hand und guten reiffen hurtigen Verstand: weil die Farben/ wann sie naß/ ein Ding viel anderst praesentiren/ als wann sie trucken sind. {Der Mahler mus hurtig und geübt seyn.} Es mus auch/ in dieser Arbeit/ der Meister/ mehr der Vernunft/  als des Abrißes/ sich bedienen/ alles schon im griff haben/ und ein guter geübter Practicus seyn weil die Arbeit keine Saumseligkeit oder Zechbrüder dulte Hierbey ist aber zu merken/ daß man nichts zu retochiren übrig lassen/ und daß keine Leimfarben/ noch mit Eyergelb/ Gummi oder Dragant angemachte/ darzu kommen müßen: weil hierdurch der Maur ihre natürliche Weiße {Undienliche Farben.} entfällt/ und nachmals alle Farben abstehen/ sehr gelb/ häßlich und schwarz werden.

Practicus

Conceptual field(s)

L’ARTISTE → qualités

Quotation

{Mahlerey von freyer Hand.} Andere/ und zwar die mehr-wissende Teutsche und Niederländische Mahler/ auch theils Italiäner/zeichnen ihre Invention, nach dem gemachten Modell, von freyer Hand/ mit Kreide auf das Blat/ und fangen darauf an/ solche zu untermahlen. Andere/ beginnen gleich anfangs ihre Bilder nach dem Leben völlig auszumahlen. {Furchtsames mahle/ zeiget des des Mahlers Unverstand und Unerfahren heit} Und dieses sind die  erfahrenste und hurtigste. Welcher Mahler aber langsam ist/ der gibt damit Anzeigung seiner Unerfahrenheit/und daß er in seiner Vernunft nicht erfinden oder vorbilden könne/ wie er ein Ding recht machen soll/ er sehe dann die Fehler vor Augen. Solche/ die mit Forcht und verzagt den Pensel führen/ kommen mir vor/ als die Blinden/ welche die Bahn mit dem Stab bestechen/ damit ihnen nichts im Weg lige/ darwider sie gehen und sich stossen oder verletzen möchten. Darum soll der Mahler sich dahin gewöhnen/ jedesmal alle Dinge im Sinn und Verstand eigentlich zu überschlagen/ bevor er Hand anlege/ und seine Arbeit auf eine gute Speculation und Wissenschaft gründen.

Deutsche (die)
Italiens (les)
Niederländische (die)

Conceptual field(s)

L’ARTISTE → qualités

Quotation

Kein ding ist/ das den Menschen mehr betrieget/ als das eigene Urteil/ und die Selbst-Liebe/ die alles sein Thun gut-heisset. {soll nicht seinem/ sondern anderer/ Urteil trauen.} Das bäste Urteil ist/ das man von andern/ ja gar von Feinden holet: weil auch die Freunde/ aüs Beyfälligkeit und guter affection, ein Werk für vollkommener ansehen/ als es ist/ liebkosen und lobsprechen/ und nicht die Warheit/ sondern was lieblich in den Ohren klinget/ aussagen. Er mus sich ganz nicht verdriessen lassen/ das Urtheil eines jeden anzunehmen. Und wann gleich andere keine Mahler sind/ so haben sie doch Verstand und Wissenschaft von des Menschen Gestalt und Natur-wesen: daher ihnen erlaubt ist/ von den Werken/ die der Natur nachahmen/ zu urtheilen.

Conceptual field(s)

L’ARTISTE → qualités

Quotation

{Der Mahler soll mehr bey der Natur/ als bey andern/ zur Schul gehen.} Ein Mahler/ der mit Verstand und Sinnreichtum versehen ist/ mus sich nicht eben an eines andern Manier binden/ demselben allerdings nachzufolgen: dann also würde er/ nicht ein Sohn/ sondern ein Enkel oder Vetter der Natur seyn. Da er den großen Schauplatz der Natur vor sich hat/ warum wolte andern in die Winkel nachlaufen/ die auch allein von ihr gelernet? Man schöpfet das Wasser reiner und bässer aus den Quellbrunnen/ als aus Bächen oder Cisternen/ die von dannen geronnen sind. Es hat ein jeder die Freyheit/ in der Natur zu studiren.

Conceptual field(s)

L’ARTISTE → qualités
L’ARTISTE → apprentissage

Quotation

Der Mahler soll auch fürnemlich die vorgenommene Historie/ vielmals durchlesen/und zwar in unterschiedlichen Autoren: weil immer einer mehr davon schreibet/ als der andere/ und solches/ zur Mehrung der Gedanken/ dienet.

Conceptual field(s)

L’ARTISTE → qualités
GENRES PICTURAUX → peinture d’histoire

Quotation

{Wie ein Modell soll gestellt und die Distanz beobachtet werden.}Wann nun das Leben oder Modell, es sey auf einer niedrigen oder hohen Tafel/ (nach Erforderung des Horizonts/ wie das Stuck/ wann es vollbracht/ soll aufgestellet werden/) also im bästen Liecht vor Augen stehet/ daß es solch Liecht und Schatten nach Verlangen hat: alsdann setze sich der Mahler/ etwan 8 oder mehr Schuh davon. hat er überall das gerechte Liecht/ und bleibet ihm noch Platz genug/ davon hintan zu gehen: welches dann hochnötig ist/ wann er sein Werk will von weitem besehen/ auch ein großes Werk hin und wider schieben/ erniedrigen und erhöhen. {Auch kleine Sachen/ erfordern Raum und gut Liecht.} Auch die jenige/ welche nur kleine Werke machen/ sonderlich wann sie das Leben wollen gebrauchen/ müßen/ wegen nötiger Distanz, und das Liecht von oben herab zu nehmen/ nicht in allzukleinen Zimmern ihre Arbeit verrichten/ sondern Raum und Liecht suchen: da dann alles einen mehrern Wolstand/ gewißere Maaß und mehr Lebhaftigkeit/ erzeigen wird.

Michèle-Caroline Heck, « Les transformations de la maison d’artiste au XVIIe siècle : l’atelier comme lieu d’expérience d’une nouvelle conception de la peinture » , dans La maison d’artiste. Construction d’un espace de représentation entre réalité et imaginaire (XVIIe–XXe siècles), sous la direction de Véronique Meyer, Presse universitaire de Rennes, 2007, p. 23–33.

Conceptual field(s)

CONCEPTION DE LA PEINTURE → lumière

Quotation

Unter dem Wahrhafften Titel eines Mahlers wird eine dermaassen grosse Vollkommenheit begriffen/daß wir kaum denselben jemanden zulegen können/als welcher nicht ein geübter gelehrter Mann/scharffsinnig und fertig vom Verstande/insbesonderheit aber ein erfahrner Mathematicus und etlicher maassen auch der Farben halber ein gucht Chymicus/und nicht minder in der Antiquität und Historien wohl erfahren ist. 

Conceptual field(s)

L’ARTISTE → qualités

Quotation

Das 4. Capitel. Was Fresco mahlen sey/ und wie mit solchem umzugehen.
Die Kunst auf Mauren, und nassen Kalck zu mahlen übertrift alle andere Mahlerey in diesem, weil solchen in einen Tag geschehen muß, da man sonst in andern Sachen viel Jahre und Monate mit verändern und verbessern zubringen kan. 
Es ist aber Fresco mahlen, wenn man eine Maure, mit Mörtel oder Kalck bewerffen läst, und also auf solchen nassen Kalck mahlet, und muß der Mahler so viel als er bewerffen lassen, also fort übermahlen: Denn sonsten vertrucknet der Anwurff samt der darauf angefangenen Arbeit allzuhart, daß solche hernach mit den daneben zustehenden Anwurff sich nicht mehr vereinbahren, noch selben annehmen, sondern sie scheiden sich spätlich von einander, zerspringen endlich und fallen ab: Will also dieses Mahlen hurtig in den nassen Kalck nach einander verfertigt seyn. Es werden aber hierzu lauter Erd-Farben, aber keine Mineralien genommen, sondern das Weisse von gebrannten Trevertin-Stein oder gebrantem Kalck, gelben Ogger, Braunroth, Terra verta, Ultramarin oder blau Azur, Smalta, braun Ogger, Umbra, Kinruß und dergleichen Farben, so von einem starcken Wesen sind, und die der Kalck nicht aufzehren kan. Diese Mahlerey will haben einen geschwinde Hand, reiffen hurtigen Verstand, weil die Farben wenn sie noch naß, ein Ding viel anders vorstellen, als wenn sie trucken sind. Es muß auch der Mahler in dieser Arbeit mehr Vernunfft, als des Abrisses sich bedienen, alles schon gleichsam an einen Grieff haben, und ein geübter Künstler seyn ; weil die Arbeit keine Saumseligkeit noch Zech-Brüder dultet. Hierbei ist aber zu mercken, daß man nichts zu retouchieren übrig lassen, oder das keine Leimfarben, noch mit Ogger-gelbe, Gummi oder Tragant angemachte Farben darzu kommen müssen ; weil hierdurch der Mauren ihre natürliche Weisse entfället, und nachgehends alle Farben abstehen, sehr gelbe, heßlich und schwartz werden.

Conceptual field(s)

L’ARTISTE → qualités

Quotation

Das 4. Capitel. Was Fresco mahlen sey/ und wie mit solchem umzugehen.
Ein guter Oel-Farben-Mahler verderbet sich aber mit vielem Fresco mahlen, dergleichen mit den Wasser-Farben, weil er dadurch einer grellen, kalten Wasser-Farbe Manier verleitet wird.

Conceptual field(s)

L’ARTISTE → qualités

Quotation

Das 5. Capitel. Von dem Mahlen von freyer Hand
Die meisten heutigen Tages, so wohl Italiener, als auch Teutschen, zeichnen ihre Invention nach dem gemachten Muster von freyer Hand mit Kreide auf das Tuch oder Taffel, und fangen darauff an solches zu untermahlen, theils beginnen ihre Gemälde gleich Anfangs völlig auszumahlen, und diese sind die erfahrensten und hurtigsten. Welcher Mahler aber langsam ist, der giebt damit Anzeigung seiner Unerfahrenheit, und daß er in seiner Vernunfft nichts erfinden, oder vorbilden könne, wie er ein Ding recht machen soll, er sehe denn die Fehler vor Augen, derohalben soll sich ein jeder dahin gewöhnen, daß er allezeit alle Dinge im Sinne und Verstande zuvor wohl überschlage, ehe er Hand anlege, und seine Arbeit auf eine gute Erfindung und Wissenschaft gründe. 

Conceptual field(s)

L’ARTISTE → qualités

Quotation

Das 8. Capitel. Vom Gebrauch der Farben in einem Gemählde oder Schilderey.
Ein Mahler soll sich nicht verdriessen lassen, jedes Urtheil, ja mehr von Feinden als von Freunden geduldig anzuhören: wer in dieser und andern Künsten etwas löbliches thun will, der muß sie zuvor recht erlernen; 

Conceptual field(s)

L’ARTISTE → qualités
SPECTATEUR → jugement

Quotation

Das 8. Capitel. Vom Gebrauch der Farben in einem Gemählde oder Schilderey
Es soll aber ein Mahler, der mit Verstande und Klugheit versehen ist, sich nicht eben an eines andern Manier allzuhart binden, daß er derselben in allen Stücken folge, sondern er soll mehr bey der Natur, als bey andern in die Schule gehen. Es gehöret aber darzu eine große Mühe, und wird die Vollkommenheit durch abcopiren und Nachahmung anderer guten Gemälde endlich erlanget. 

Conceptual field(s)

L’ARTISTE → qualités

Quotation

Das 10. Capitel. Vom Historien-Mahlen.
Dem Mahler kommt zu, daß er die vorgenommene Historie vielmahl durchlese, und zwar in unterschiedlichen Autoren und Geschicht-Schreibern: Weil immer einer mehr als der andere davon schreibet, und solches dienet zur Vermehrung der Gedancken, wo er nur das beste von dem, was er gelesen, seinen Gedächntis eindrücket, alsdenn mag er alles nach seiner Einbildung mit geistreicher Ordnung und Annehmlichkeit durch etliche Abrisse auf Pappier entwerffen, und daraus ein so groß Pappier machen, als das Stücke seyn soll. 

Conceptual field(s)

GENRES PICTURAUX → peinture d’histoire
L’ARTISTE → qualités