ZEICHNUNG (n. f.)

DESSIN (fra.) · DRAWING (eng.) · GEWASSEN TEKENING (nld.) · TEKENING (nld.)
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TEKENING (nld.)
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DELINEATIO (lat.)
BOUBLI, Lizzie, « DESSIN », dans HECK, Michèle-Caroline (éd.), LexArt. Les mots de la peinture (France, Allemagne, Angleterre, Pays-Bas, 1600-1750) [édition anglaise, 2018], Montpellier, Presses Universitaires de la Méditerranée, 2018, p. 167-172.
HEILMANN, Maria, NANOBASHVILI, Nino et PFISTERER, Ulrich (éd.), Punkt, Punkt, Komma, Strich. Zeichenbücher in Europa ca. 1525-1925, cat. exp., München, Zentralinstitut für Kunstgeschichte - Hildesheim, Universitätsbibliothek, 2014-2016, Dietmar Klinger Verlag, 2014.
HEILMANN, Maria, NANOBASHVILI, Nino, TEUTENBERG, Tobias et PFISTERER, Ulrich (éd.), Lernt Zeichnen ! Techniken zwischen Kunst und Wissenschaft, 1525-1925, cat. exp., Heidelberg, Universitätsbibliothek, 2015-2016, Dietmar Klinger Verlag, 2015.
KURBJUHN, Charlotte, Kontur. Geschichte einer ästhetischen Denkfigur, Berlin - Boston, De Gruyter, 2014.
TACKE, Andreas, « Zeichnend zur Auszeichnung?! Zur paradigmatischen Rolle der Handzeichnung im Streit zwischen zunftgebundenen Malerhandwerk und Akademie », dans LAUTERBACH, Iris et STUFFMANN, Margret (éd.), Aspekte deutscher Zeichenkunst, München, Zentralinstitut für Kunstgeschichte, 2006, p. 104-113 [En ligne : http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/1979/ consulté le 26/10/2015].
TORDELLA, Piera Giovanna, Il disegno nell’Europa del Settecento. Regioni teoriche, ragioni critiche, Firenze, Olschki, 2012.

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9 quotations

Quotation

{Die Vernunft/ ist der Zeichnung Ursprung} Die Zeichnung […] ihren Ursprung aus der Vernunft hat/ so erfordert solche eine sonderbares Urtheil/als die universal-Form/Idea oder Modell aller Dinge/so die Natur jemahls gebohren. Dann diese machet in dem menschlichen Leib/ in den Thieren und Pflanzen/ folgbar auc die Gebäu- Bildhauer und Mahlerey-Arbeit/ die proportion und Gleichheit zwischen dem ganzen völligen Corpo und seinen Theilen/und den Unterschied zwischen denselben erkennen. Und aus dieser Erkäntnis entspringet eine gewiße imagination, Einbildung/ Meinung und Urtheil / welches ihm der Künstler in seinem Verstand vor-formet/ und nachmals mit Kreide/ Rötel oder Kohlen/ durch die Hand/ zu Papier bringet.

Conceptual field(s)

PEINTURE, TABLEAU, IMAGE → définition du dessin

Quotation

Hieraus ist nun leichtlich zu schließen/ daß die Zeichnung nichts anders seye/ als ein erkantlicher Entwurff/ Abbildung oder Erklärung unsers Concepts/ welchen wir in dem Gemüt ausgebrütet/ und der Einbildung/ als eine Form oder Idea, vorgestellet. {Sprüchw. Ex ungue Leo. Der Verstand ermisset einen Leib/ aus einem Theil desselben.} Es ist ein Welt-kündiges Sprüchwort der Alten: Ex ungue Leo, der Löw aus der Klaue. Damit wird so viel gesaget/ daß/ wann einem vernünftigen Manne nur ein Stuck von einem natürlichen Corpo vorgewiesen werde/ er alsofort in seinem Verstand den ganzen Leib mit allen dessen Theilen/ in seine imagination oder Einbildung fasse/ gleich als ob ihm derselbe völlig und lebhaft vor Augen gestellet wäre.

Conceptual field(s)

CONCEPTION DE LA PEINTURE → dessin

Quotation

Eine andere Art ist/ die um und um mit Linien umzogen/ Profil, Umriß oder Liedmaß genennet wird. Diese sind zwar/ sowol zur Bau-Kunst und Bildhauerey/ als zur Mahlerey/dienlich/ aber am allermeisten zur Bau-Kunst: weil deren Zeichnung allein in Linien bestehet/ als ihrem Anfang und Ende/ daher sie auch den Namen bekommen/ und das übrige/ vermittels des Modells von Holz/ nach diesen Linien gemacht/ den Steinmetzen und Maurern zugehöret. {Wie die Zeichnung zur Bildhauerey dienlich/} In der Bildhauerey/ dienet die Zeichnung zu allen Umrißen: welche der Bildhauer also von Gesicht zu Gesichtabsehen und in sein Werk bringen kan/ sonderlich wann er einen Theil abzeichnen will/ der bässer herfür kommen soll/ es mag nun in Wachs/ Erde/ Erz/ Marmor oder Holz geschehen. {und zur Mahlerey.} In der Mahlerey-Kunst/ dienen diese Zeichnungen auf unterschiedliche Manier/ absonderlich von jeder Figur oder Bildnis einen Umriß zu machen. Wann nun diese gut/ just und nach proportion geschihet/ so ist der Schatten und das Liecht/ welches nachmals beyfüget/ eine Ursach/ daß die lineamenten oder Striche der Figur/ welche man bildet/ besonders erhoben heraus kommen/ und an dem ganzen Bild eine beliebliche Güte und Vollkommenheit erhellet. Wer nun diese Linien wol zu brauchen und anzuwenden weiß/ wird mit der Zeit/ durch stätige Ubung und reiffe Vernunft/ in allen diesen Künsten ein vollkommener Meister werden.

Conceptual field(s)

MATERIALITE DE L’ŒUVRE → technique du dessin
CONCEPTION DE LA PEINTURE → dessin

Quotation

Die Zeichnung soll und mus mit sonderbarer Vernunft/ rarer invention, abtheilung und stellung/ als an welcher allermeist gelegen/ gemacht seyn: damit alle Theile/ zu vergnügung eines vernünftigen Auges/ wol übereinstimmen/ und nicht hier alles/ dort wenig oder gar nichts/ ohne Urtheil oder Verstand/ herfür komme. Solche schöne Ordnung oder häßliche Unordnung/ entspringet von wol- oder übel-gefasster Zeichen-Kunst/ entweder nach denen gehabten Modellen/ oder nach den vorgenommenen lebendigen Bildnusen: und kan die Zeichen-Kunst keinen guten Anfang haben/ wann sich der Scholar nicht eifrig beflissen/ natürliche und lebhafte Dinge abzuzeichnen/ und nach gut-gemahlten Stucken von belobten Meistern/ oder nach antichen Statuen und erhobnen Bildern/ wie schon oft gesagt worden/ zu formiren.

Conceptual field(s)

CONCEPTION DE LA PEINTURE → dessin
CONCEPTION DE LA PEINTURE → composition

Quotation

{Der Autor, und Claudius Gilli übeten sich hierinn zu Rom.} Die Landschaft-Mahler/ haben hierinn/ indem sie viel nach dem Leben gezeichnet/ sich wol-erfahren gemacht: maßen sie solcher Handriße sich nachmals überall bedienen können. Ich selbst thäte solches/ etliche Jahre lang. Endlich aber/ als mein nächster Nachbar und Hausgenoß zu Rom/ der berühmte, Claudius Gilli, sonst Loraines genant/ immer mit ins Feld wolte/ um nach dem Leben zu zeichnen/ aber hierzu von der Natur gar nicht begunstet war/ hingegen zum Nachmahlen eine sonderbare Fähigkeit hatte: als haben wir ursach genommen/ (an statt des Zeichnens oder Tuschens mit schwarzer Kreide und dem Pensel) in offnem Feld/ zu Tivoli, Frescada, Subiaca, und anderer Orten/ auch al S. Benedetto, die Berge/ Grotten/ Thäler und Einöden/ die abscheuliche Wasserfälle der Tyber, / den Tempel der Sybilla, und dergleichen/ mit Farben/ auf gegründt Papier und Tücher völlig nach dem Leben auszumahlen. Dieses ist/ meines darfürhaltens/ die beste Manier/ dem Verstande die Warheit eigentlich einzudrucken: weil gleichsam dadurch Leib und Seele zusammen gebracht wird. In den Zeichnungen wird hingegen alzuweit zuruck gegangen/ da die wahre Gestalt der Sachen nimmermehr also pur eigentlich heraus kommet. {Noch andere fürtreffliche Landschaft-Mahlere.} Es ist auch besagter Claudius, wiewol langsam genug/ endlich in dem Landschaft-Mahlen/ gründen und coloriren/ so perfect worden und hoch gestiegen/ daß er wunder gethan/ und billich ein Antecessor und Ubertreffer aller der andern mag genennet werden [...].

Handriß · Zeichnen

Conceptual field(s)

GENRES PICTURAUX → paysage
CONCEPTION DE LA PEINTURE → dessin

Quotation

Schatten und Licht machen gleichsam das Leben aus von einer Zeichnung, und diese bekommt durch jene seine mögliche Vollkommenheit. Je besser diese ausgeführet wird ; je näher kommt deine Zeichnung der Nature.

Conceptual field(s)

EFFET PICTURAL → qualité du dessin
EFFET PICTURAL → qualité de la lumière

Quotation

Der Grund vielbesagter Zeichnung/als das besagte a/b/c der Mahlerey/ist verhoffendlich in diesem Buch meisterlich angewiesen/und ist leichtlich zu erachten/daß man mit den bunten Farben der Natur so viel ähnlicher nachkommen kan; weil man nur mit Schwartz und weiß die Gleichnisse der Bilder/so eigendlich vorstellen erlernet hat. Zu mehr deutlicher Erklärung unsrer Meinung setzen wie hierbey/wie alle Strichlein aufeinander folgen sollen.

FÜRST, 1656

Conceptual field(s)

PEINTURE, TABLEAU, IMAGE → définition du dessin

Quotation

Rede bey Stellung des Modells, p. 8
[Was ein Jüngling bereits wissen müsse bevor nach dem Modell zu zeichnen] […] Zweitens muß er in allerley Handlungen/ auf weissen oder gegründeten Papier erfahren seyn/ und gute Wissenschafft haben wie man eine Zeichnung gut ausführen/ und verfertigen solle.

Conceptual field(s)

MATERIALITE DE L’ŒUVRE → technique du dessin
L’ARTISTE → apprentissage

Quotation

Rede bey Stellung des Modells, p. 17
So viel habe ich von denen zwey ersten Theilen meines Vortrages zu melden vor nöthig erachtet/ nemlich :
1. Was sein Jüngling vorhero bereits wissen müsse/ wann er den Anfang machen wolle/ mit Nutzen nach dem modell zu Zeichnen.
2. Was er im Zeichnen nach dem Modell beobachten Müsse.

Nun solte ich noch den Dritten Theil vortragen/ nemlich : Was vor Nutzen ein Jüngling aus dem Nachzeichnen des lebendigen Modells ihme schaffen/ und wie er dermahleins die verfertigten Academie, und Zeichnungen: in seinem Wercken anbringen könne: Allein dieser Dritte Theil ist weitläufftiger weder die Zwey vorgesagte so wir itzt miteinander abgehandelt haben/ auch ist die gegenwärtige zum Zeichner bestimbte Zeit zimlich verflossen/ wannenhero ich solches biß zu einer andern Gelegenheit verspare/ und vor dieses mahl keine angenehmere Belohnung meiner Unterrichtung verlange/ als daß das Gelehrete von Euch Lehrbegierigen Jünglingen in die Ubung mögen gebracht werden.

Conceptual field(s)

L’ARTISTE → apprentissage
CONCEPTION DE LA PEINTURE → dessin